Energiewende Fernwärme Heidelberg

Vision für eine klimaverträgliche Fernwärmeversorgung in Heidelberg bis 2030

Für die Erreichung des 1,5°C Klimaziels muss die netto CO2-Emissionen innerhalb der nächsten 10 Jahre auf Null abgesenkt werden. Wie schaffen wir dazu unseren Beitrag in Heidelberg?

Heidelberg kohlefrei möchte eine Vision für eine Energiewende in der Heidelberger Fernwärmeversorgung bis zum Jahr 2030 entwickeln. Die bisherigen Planungen in Heidelberg sehen einen deutlich späteren Umstieg vor, mit dem sich die Pariser Klimaziele für Heidelberg terminlich nicht erreichen lassen (Stand Herbst 2020).

Unser Ziel ist deshalb eine schnellere Umstellung auf eine ausreichend klimaneutrale Energieerzeugung bis 2030. Dieses Vorhaben ist ambitioniert, aber in unseren Augen technisch, ökonomisch und sozial bei entsprechendem Willen umsetzbar. Selbstverständlich ist diese Aufgabe nur ein Teilbereich der allgemeinen Energiewende – aber es ist wahrscheinlich einer der am einfachsten, schnellsten und wirksamsten umsetzbaren Bereiche.

Im Zentrum unserer Vision stehen drei Maßnahmen:

1 Gebäudesanierung und Wärmerückgewinnung

Durch Gebäudesanierung und Wärmerückgewinnung bei der Warmwasserbereitung soll der Wärmeverbrauch um 20% abgesenkt werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende, um die Grundlast zu senken.
(ca. 3% Sanierungsrate auf 10 Jahre bei einer Wärmeverbrauchsreduktion der sanierten Gebäude um 60-70%)

2 Erschließung zusätzlicher klimaneutraler Energiequellen

Bislang ungenutzte klimaneutrale Energiequellen, die in der Region verfügbar sind, sollen nutzbar gemacht werden:

(a) Flusswärme (über Wärmepumpen im Neckar)
(b) Tiefe Geothermie (für eine regionalweite Versorgung)

(c) Biomasse (in geringem Ausmaß)

3 Absenkung der Netztemperaturen

Durch die Absenkung der Netztemperatur des lokalen Fernwärmenetzes sollen (a) Wärmeverluste des Netzes eingespart werden und (b) die technische Voraussetzung geschaffen werden, um neue klimafreundliche Energiequellen an das Netz anzuschließen.

Für alle diese Technologien und Maßnahmen gibt es:

(a) Erfolgreiche Best Practice-Beispiele in Deutschland (beispielsweise Flusswärme: Wien; Tiefen Geothermie: München)

(b) Vielversprechende Potentiale an klimaneutralen Wärmeenergiequellen in der Metropolregion Rhein-Neckar

Ein neuer Energiemix für das Jahr 2030

Nutzt man die genannten Potentiale und Technologien intensiv, ließe sich mit entsprechendem politischen und wirtschaftlichen Engagement möglicherweise folgender Energiemix für die Fernwärmeversorgung bis zum Jahr 2030 realisieren:

Eine Spitzenlastabdeckung könnte dabei ggf. mit Restanteilen fossiler Wärme aus den bestehenden Spitzenlastheizkraftwerken erfolgen.

Das Verhältnis Wärmelastverteilung zu eingesetzten Energieerzeugungstechnologien könnte im Jahresverlauf 2030 in Heidelberg dann idealerweise wie folgt aussehen:

Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz

Im Jahr 2021 wird voraussichtlich die Förderung für erneuerbare Wärmeerzeuger zur Einspeisung in Wärmenetze von der Bundesregierung deutlich verbessert werden (siehe Bundesförderung für effiziente Wärmenetze). Dadurch werden erneuerbare Wärmeerzeuger allgemein konkurrenzfähiger, da durch die Förderung die Endpreise für die Verbraucher zumindest zeitweise abgesenkt werden können.

Trotzdem ist eine Preiserhöhung durch die Energiewende eventuell nicht ganz zu vermeiden. Eine wichtige politische Aufgabe wäre also für Akzeptanz gegenüber eventuell steigenden Verbraucherpreisen zu werben. Kommunal wäre auch eine zusätzliche Entlastungen einkommensschwacher Haushalte zum Ausgleich denkbar. Ob eine neue Bundesregierung 2021 die lokale Energiewende stärker als bisher unterstützen wird, ist leider noch nicht absehbar.

Zusätzlich muss politisch um die Akzeptanz der neuen Technologien durch die Bevölkerung geworben werden. Insbesondere für die Geothermie ist eine Aufklärung über die Eigenschaften und Rahmenbedingen notwendig. Auch muss aktiv auf die Akteure der benachbarten Kommunen und Kreise zugegangen werden und eine gemeinsame Zielvereinbarung ausgehandelt werden.

Ein zusätzlicher Pluspunkt der Energiewende ist aber die durch diese steigende lokale Wertschöpfung. Regenerative Energieträger werden nicht mehr wie Kohle oder Erdgas in die Region importiert, sondern vor Ort gefördert. Dadurch entsteht ein attraktives Potential für neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen für die Kommunen.

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