Status Heidelberger Fernwärme 2020

Stand 11. Oktober 2020

1 Wie groß ist das Fernwärmenetz in Heidelberg (und Mannheim) und wie viel Fernwärme wird verbraucht?

Ca. 47% der Wärmeverbraucher in Heidelberg sind momentan an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Heidelberg (SWHD) angeschlossen, ein Ausbau auf 50% bis 2030 ist geplant.

Der Fernwärmeverbrauch in Heidelberg liegt in Heidelberg bei ca. 860 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a), davon wurden ca. 580 GWh/a durch die Stadtwerke Heidelberg geliefert. Die Differenz von 280 GWh/a zwischen der Lieferung der SWHD und dem Verbrauch ist auf das eigene Wärmenetz der
Uni zurückzuführen, die Uni betreibt ein eigenes Kraftwerk und Netz für die universitäre Wärmeversorgung.

In Mannheim sind ca. 60% der Wärmeverbraucher an das Fernwärmenetz angeschlossen. Der Fernwärmeverbrauch in Mannheim beträgt ca. 1,8 Terrawattstunden pro Jahr (TWh/a).

2 Was sind die Wärmeerzeuger für die Heidelberger Fernwärme?

2019 setzte sich die Fernwärme in Heidelberg wie folgt zusammen:

Dabei wurde die Wärme aus Steinkohle vom Großkraftwerk Mannheim geliefert.

Seit 2020 setzt sich die Wärmeerzeugungsstruktur wie folgt zusammen:

3 Wie „klimafreundlich“ ist Wärme aus Steinkohle-Kraft-Wärme-Kopplung?

Der CO2 Faktor von Wärme aus Kraftwärme-Kopplung (KWK) wird in Mannheim und Heidelberg nach dem exergetischen Verfahren berechnet. Beim exergetischen Verfahren werden dem Strom mehr CO2-Emissionen zugewiesen als der Wärme, da Strom ein „höherwertiges Gut“ ist, d.h. vielseitiger einsetzbar als Wärme. Strom kann z.B. auch zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden, wenn er Wärmepumpen antreibt. Mit der exergetischen Bilanzierung ist der Wärme aus dem effizienten Block 9 des GKM ca. 180 g CO2 pro kWh zuzuweisen (die genaue Zahl ist nicht bekannt, da die Kraftwerksbetreiber den thermischen und elektrischen Wirkungsgrad nicht angeben). Der Strom trägt eine CO2 -Fracht von 310 g CO2/kWh.

Der KWK-Wärmeverkauf aus Steinkohle rechtfertigt jedoch auch die Stromproduktion des Kraftwerks und macht sie wirtschaftlicher. Der 2015 neu ans Netz gegangene Block 9 erhält die KWK-Förderung für den Strom, weil er KWK-Wärme verkauft. Insofern sind korrekter Weise Strom und Wärme gemeinsam zu betrachten.

Selbst unter den optimistischen Annahmen für die Steinkohle-KWK-Wärme und pessimistischen Annahmen für die Referenzstrom- und Wärmeversorgung schneidet der Block 9 in der Klimabilanz sehr schlecht ab. Die nachstehende Abbildung zeigt die Klimabilanz, wenn 4 kWh Strom und 3 kWh Wärme benötigt werden. Der Berechnung liegen folgende CO2-Faktoren zu Grunde:

=> CO2-Emmissionen für Steinkohle inklusive Vorkette: 358 g/kWh Steinkohle.

=> CO2-Emissionen von Öl inklusive Vorkette: 299 g/kWh Öl.

=> CO2-Emissionen Netzstrom: 537 g/kWh.

Wichtige Bedingung dafür, dass Fernwärme einen Klimaschutzbeitrag leisten kann, ist also der Verzicht auf Steinkohlewärme.